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Staune und lerne von der SPÖ.

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Öffentlichkeitsarbeit einmal anders.

Wenn Du Deiner potentiellen Wählerschaft etwas mit Nachdruck mitteilen möchtest, und es Dir wichtig ist, dass es glaubwürdig „rüberkommt“, dann teile ihr das nicht direkt mit, sondern verweise auf einen (angeblich objektiven) Artikel, den Du selbst mittels Pressemitteilung lanciert hast.

Seriosität und Vertrauen.

Wem vertrauen Sie mehr: der SPÖ Niederösterreich, deren Parteiobmann Sven Hergovich, oder den Bezirksblättern Niederösterreich beziehungsweise deren Online-Portal meinbezirk.at?

Alles beginnt mit einer Presse-Aussendung der SPÖ Niederösterreich.

Donnerstag, der 24.8.2023, und eine Vorgangsweise und Chronologie, die nachdenklich macht.

09:03 Uhr ots.at veröffentlicht die Presseaussendung der SPÖ NÖ.

09:10:50 Uhr noe.spoe.at veröffentlicht die Presseaussendung 1:1 auf ihrer Homepage und ergänzt noch einen Absatz.

12:28 Uhr meinbezirk.at (Online-Plattform der Bezirksblätter NÖ) veröffentlicht die Presseaussendung fast 1:1.

13:58 Uhr Kommunikations-Chef der SPÖ NÖ twittert den Link zum Artikel auf meinbezirk.at.
Ja, Sie haben richtig gelesen. Er twittert nicht einen eigenen Text mit Bild, auch nicht den Link zur Webseite der SPÖ Niederösterreich, wo ja die Presseaussendung fast 1:1 veröffentlicht wurde, sondern zitiert meinbezirk.at mittels Link zu diesem Online-Portal der Bezirksblätter Niederösterreich.

Und es geht lustig weiter.

16:19 Uhr Sven Hergovich postet auf Facebook zum Thema der Presseaussendung und zitiert dabei meinbezirk.at

16:20 Uhr Sven Hergovich kommentiert seinen eigenen Post mit dem Link zum Artikel auf meinbezirk.at.

15:42 Uhr SPÖ Niederösterreich postet auf Facebook zum gleichen Thema, mit einem eigenen Text und eigenem Bild..

15:57 Uhr SPÖ Niederösterreich kommentiert ihren eigenen Facebook-Post mit dem Link zum Artikel auf meinbezirk.at und nicht mit dem Link zur Seite der SPÖ Niederösterreich.

17:03 Uhr Sven Hergovich twittert den Link zum Artikel auf meinbezirk.at.

Sven Hergovich, die SPÖ Niederösterreich und deren Chef der Kommunikation, alle drei verbreiten die „frohe Kunde“ mittels des Links zum Artikel auf dem Online-Portal meinbezirk.at.

Das kommt mir vor wie das Agieren einer kleinen Orts- oder Gemeindepartei, die sich wahnsinnig freut, dass sie und ihre Jubelmeldung einmal in der lokalen Zeitung, also in der NÖN oder im Bezirksblatt des jeweiligen Bezirkes, abgedruckt ist. Da hupfen’s alle im Kreis vor lauter Freud‘.

Für viele Menschen sind diese lokalen Medien von Bedeutung.

Man muss das aber auch aus einer anderen Richtung betrachten: für viele Menschen ist das schon etwas, wenn jemand „in der Zeitung“ ist. Welchen Status diese Zeitung grundsätzlich hat, also wie wichtig und unabhängig diese ist, ist zumeist nicht bekannt und auch für diese Menschen unerheblich. Auch wird nicht hinterfragt, wie ein Artikel oder Kommentar seinen Weg in diese Zeitung „gefunden“ hat. Worüber eine Zeitung berichtet, wird ernst genommen. Das ist ja kein Wahlplakat, wo es nur um die Selbstdarstellung geht. Das ist eine Zeitung. Und bei dieser geht man von seriöser, objektiver Berichterstattung aus. Ja – man erwartet sich Tatsachen, also die Wahrheit.

Die Kommunikationstechnik.

Insofern ist es ja fast grenzgenial, wie das kommunikationstechnisch vonstatten ging. Weder von Sven Hergovich noch von der SPÖ Niederösterreich und deren Kommunikations-Chef wurde auf die Webseite der SPÖ Niederösterreich Bezug genommen. Es wurde immer auf den Artikel auf meinbezirk.at, dem Online-Portal der Bezirksblätter, hingewiesen.

Es wurde immer so dargestellt, als wäre der Artikel, der dort zu finden war, die Quelle der Information, also die Quelle der Jubelmeldung.

Denn: von der Presseaussendung weiß der Großteil der Leser ja nichts.

Das heisst: man schreibt einen Pressetext, dieser wird auf meinbezirk.at fast 1:1, also wortgetreu, veröffentlich. Der Artikel sieht für die Leser so aus, als wäre er die Idee der Redakteurin gewesen, und als hätte sie recherchiert und Sven Hergovich interviewt.

Kaum jemand der Leserschaft wird „überreissen“, dass dieser Artikel nur aufgrund der Presseaussendung der SPÖ Niederösterreich entstanden ist. Denn aufgrund der fast wortwörtlichen Übereinstimmung kann man davon ausgehen.

Übrigens: auch Interpunktionsfehler wurden aus der Presseaussendung von meinbezirk.at übernommen. Mehr dazu können Sie in diesem Artikel lesen: Bezirksblätter: Wieviel Journalismus ist denn da eigentlich vorhanden?

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