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„ORF – wie wir.“?

Ein Gastkommentar von Christof Schwenniger.

„ORF wie wir“ lautete ein ab 2013 lanciertes Werbe-Sujet des österreichischen Rundfunks. Ich fragte mich immer, wer mit „wir“ wohl gemeint sein könnte: ich selbst fühlte mich jedenfalls schon damals keineswegs solidarisch mit der angeblich öffentlich-rechtlichen Medienorgel.

Die Regierung plant nun, aufgrund eines höchstgerichtlichen Erkenntnisses, eine Reform der ORF Finanzierung. Diese erscheint nicht nur mir vollkommen missglückt, sondern stößt auch in weiten Teilen der Bevölkerung und der Wirtschaft auf große Ablehnung.

Aus diesem Anlass scheint es legitim, das Thema anhand des bekanntesten ORF-Anchors, Dr. Armin Wolf, zu beleuchten.

The Anchorman.

Armin Wolf gilt, aufgrund seiner Tätigkeit für den zwangsgebührenfinanzierten ORF, nicht nur in Österreich als durchaus prominent, sondern genießt auch in Deutschland und Teilen der Schweiz gewisse Bekanntheit.

Abseits seiner Moderatorentätigkeit in der Nachrichtensendung ZiB2 ist er – nach Eigenangaben vollkommen privat – sehr aktiv auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. Dort zählt er aktuell mit fast 600.000 followern zu den großen accounts im deutschsprachigen Raum.

Ob, notabene, seine große followerzahl tatsächlich seinem „Privatleben“ auf Twitter, oder wohl doch hauptsächlich seiner Prominenz durch seine zwangsgebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Tätigkeit geschuldet ist, mag jeder selbst beurteilen, darf ich mit einem Schmunzeln anmerken.

Jedenfalls liegt man wohl nicht ganz falsch, wenn man vermutet, dass Armin Wolf polarisiert. Nicht nur durch seine Aktivitäten auf Twitter, sondern auch durch seine Arbeit im „Zwangsgebühren-Rundfunk“.

Knallharte Fragen.

Nun muss man fairerweise zugutehalten, dass Wolf zumeist knallharte und unangenehme Fragen an ALLE seine Studiogäste stellt, ungeachtet seiner persönlichen Sym- oder Antipathien diesen gegenüber. Nur bei der Akzeptanz der Antworten bemerkt man eine Tendenz, denke ich.

Zwei beliebig aus Wolfs Arbeit herausgegriffene Beispiele:

  • Eine durch alle Instanzen rechtskräftig verurteilte Person durfte zur besten Sendezeit öffentlichwirksam verkünden, dass ihre – nochmals – durch alle regulären Instanzen (!) bestätigte – rechtskräftige Verurteilung ein bedauerliches, politisch motiviertes (!) Fehlurteil sei.

Der Widerspruch Wolfs war hier, wenn überhaupt vorhanden, kaum wahrnehmbar.

  • Ein honoriger Politiker, Bundeskanzler der Republik zumal, beantwortete die Frage nach einer Koalition mit der FPÖ sinngemäß so, dass er niemanden ausgrenze, der verfassungsmäßig und demokratisch legitimiert sei.

Diese Aussage tat Armin Wolf in anmaßender Herablassung als „billig“ ab.

Wortgefechte.

Legendär die hitzigen, ins emotionale abgleitenden Wortgefechte, die Wolf nicht selten mit „türkisen“ Spitzenpolitikern führte, wenn er deren Antworten einfach nicht akzeptieren wollte. Es scheint, dass er bei Gästen, die ihm persönlich besser zu Gesicht stehen, selbst die absurdesten Antworten allenfalls mit einem resignierten Achselzucken abtut, jedenfalls ohne mit zornesrotem Kopf auf den Interviewpartner loszugehen.

Twitter ist diesbezüglich allenfalls weniger von Belang, denn es dürfte für eine überwiegende Mehrheit der Bevölkerung kaum unmittelbar relevant sein. Allerdings lohnt sich dennoch ein Blick darauf, denn mittelbar wird Twitter immer wieder als Zitat-Quelle für große Nachrichtenmedien, auch den ORF, in deren Berichterstattung genutzt.

Nun kennt jeder, der auf Twitter aktiv ist, die oft toxische Wirkung dieses Mediums, und wie schnell Debatten ins Untergriffige abgleiten.

Twitter.

Armin Wolf ist hierzu keine Ausnahme: auch wenn er sicher bei weitem nicht so infantil agiert wie zB ein prominenter Kollege von der Wetter-Redaktion, der Usern schon mal verschwitzte Anzüglichkeiten mitgibt.

Ich selbst bin von Herrn Wolf auf Twitter blockiert, und (entgegen der Gepflogenheiten) respektiere ich das, ohne jenen, die mich blocken, voyeuristisch mit einem anonymen Lese-Account hinterherzustalken. Dennoch bekommt man immer wieder screenshots in seine „Timeline“ gespült, und diese legen die Vermutung nahe, dass auch ein Armin Wolf sich ganz gerne, wenn auch nur kurz und mit bemerkenswerter Abgehobenheit, in eher unseriöser Weise mit anderen Usern balgt.
Armin Wolf ist also auf Twitter durchaus umstritten und polarisiert. So weit so gut; auf Twitter ist das keine Kunst, und – wie erwähnt – ist das für das Gros der Bevölkerung weitgehend irrelevant.

Die „echte Welt“.

Deutlich relevanter ist die Wahrnehmung in der allgemeinen öffentlichen Meinung, in der „echten Welt“. Und auch hier habe ich den Eindruck, dass das Wirken des Armin Wolf mehr und mehr Zuseher zunehmend irritiert. Das ist eben nicht nur auf Twitter beobachtbar, sondern auch auf anderen social media Kanälen und in Leserdebatten von reichweitenstarken konventionellen Medien. Das war nicht immer so. Vor – sagen wir – 15-20 Jahren war Wolf meines Erachtens durchaus noch signifikant breiter geachtet und geschätzt, ohne in diesem bedenklichen Ausmaß zu polarisieren.

Auftrag des ORF.

Spätestens hier stellt sich die Frage, ob es dem verfassungsmäßigen Auftrag des (zwangsgebühren-finanzierten) öffentlich-rechtlichen Rundfunks entspricht, in solcher Weise zu agieren.

Verkürzt dargestellt würde ich vermuten, dass Armin Wolf vor allem in Kreisen der links gepolten Bevölkerung Ansehen und Wertschätzung genießt, während er von den rasch wachsenden Teilen der bürgerlichen und rechts gepolten Gebührenzahlern zunehmend abgelehnt wird.

Dies lässt meines Erachtens den Schluss zu, dass Wolfs Tätigkeit weniger und weniger als objektiv und ausgewogen anerkannt wird, und dass das Sensorium der Bevölkerung bemerkt, dass hier etwas aus der Balance geraten könnte. (Ich drücke mich vorsichtig aus, denn Armin Wolf wird nachgesagt, dass er gegen missliebige Meinungen gerne auch mal juristisch vorgehen soll.)

Objektive Berichterstattung?

Die Frage ist nun, wie weit eine zunehmende Polarisierung in der Wahrnehmung der „Berichterstattung“ (oder sollte man eher sagen: der Nachrichten-Kommentierung und -Interpretation?) dem Geist der verfassungsrechtlichen Vorgaben für den öffentlich-rechtlichen Nachrichten- und Bildungssender entspricht.

Wenngleich man „Indoktrinierung“ vielleicht noch als eine Form der „Bildung“ anerkennen könnte (okay, das war sarkastisch!), so gibt es für Berichterstattung doch klare Kriterien: zu berichten sind alle Aspekte eines Sachverhalts, und zwar objektiv und ausgewogen. Eine Meinung bilden kann sich die mündige Zuseherschaft selbst.

Haltungsgerechtes Selektieren und einseitiges, womöglich sogar manipulatives Aufbereiten von Sachverhalten entspricht definitiv nicht seriösem Journalismus im Pulitzerschen Sinne.

Ethik und journalistische Sorgfaltspflicht.

Ein meiner Meinung nach absoluter Schandfleck haltungsjournalistischer Un-Ethik war hier zweifellos die vollkommen einseitige Aufbereitung des Ibiza-Kompromats durch die einschlägigen „Haltungsmedien“.

Wenngleich der ORF hierin die (ich nenne es mal ganz schnoddrig) „Drecksarbeit“ den Agit-Prop-Medien aus dem linken Spektrum überließ, so nahm er deren agitatorische Postulate doch diensteifrig und nach meiner Wahrnehmung weitestgehend ohne journalistische Sorgfalt und Überprüfung auf.

Zur abrundenden Illustration darf ich vergleichsweise das Wirken einer der angesehensten österreichischen Journalisten-Legenden vorbringen:

Dr. Hugo Portisch.

Dr. Hugo Portisch kennt den Journalismus in allen Facetten – er war sowohl im Print- als auch im Rundfunkbereich umfangreich tätig. Portisch würde ich bedenkenlos als vollkommen unumstritten anerkennen; er hat niemals polarisiert und genoss in allen (!) politischen Lagern gleichermaßen unantastbares Ansehen. Das liegt an der kompromisslosen Objektivität und Ausgewogenheit seiner journalistischen Arbeit.



Wenn Armin Wolf, der heutige Top-Star des zur Ausgewogenheit, Überparteilichkeit und Objektivität verpflichteten ORF nun in einer Weise polarisiert, dass er bei Linken beliebt ist, von Bürgerlichen und Rechten aber zunehmend abgelehnt wird, dann meine ich, dass wohl mit seiner Arbeit etwas nicht stimmt, insbesondere im sehr erhellenden Vergleich mit Herrn Dr. Hugo Portisch.

Und was, pars pro toto, für Armin Wolf gilt, trifft meines Erachtens auf den ORF als Ganzes, oder zumindest in weiten Bereichen, zu.

Fazit.

Aus meiner Sicht erfüllt der ORF seinen verfassungsmäßigen Auftrag schon seit langem nicht mehr. Deswegen hat er auch keinen Anspruch mehr auf die von der Regierung geplante Zwangsgebührenfinanzierung.

Ich bin schon sehr gespannt auf Kommentare zu meinem Artikel und auf die Meinung meiner Leserinnen und Leser.

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Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. M.Kurz

    Ein glasklares, unmissverständliches Conclusio, anhand eines ParadeBeispiels der vielen ORF-Protegés.
    Eigentlich hoffe ich, diese der Beschriebene diese Zeilen nicht liest, denn dessen aufgeblasene Ego würde sich selbst an der eloquent formulierten Kritik hochziehen. Negatives nährt sich mit Negativem.
    Sein Ablaufdatum ist überschritten – es ist nur noch eine Frage der Zeit, dass sich kein Mensch mehr schert um ihn.

    1. Christof Schwenniger

      Vielen herzlichen Dank für Ihre zutreffenden Worte.
      Sie ergänzen meinen Kommentar absolut in meinem Sinne! Großartig!

  2. Felix Farkas

    Der Beitrag spricht mir aus der Seele. Mit Hugo Portisch ist Armin Wolf nicht zu vergleichen. Die Nachrichtensendungen des ORF gehören dringend neu ausgerichtet. Das scheint mir unter der derzeitigen Führung des ORF und unserer Regierung nicht von Interesse. Auf den öffentlich rechtlichen Rundfunk möchte ich nicht verzichten. Manche Kultur- und Sportübertragungen, auch Reportagen, Shows möchte ich nicht missen. Über die Höhe der Haushaltsabgabe müsste man verhandeln. Mit welchem Recht einige Bundesländer einen Kulturbeitrag kassieren verstehe ich nicht.

  3. JoAck

    Welchen Grund gibt es überhaupt fern zu sehen?
    Hugo Portisch kann man mit Armin Wolf gut vergleichen. Dabei kommt ein kräftiger Kontrast heraus.

    1. Christof Schwenniger

      Ja, ich denke auch, dass dieser sehr zulässige Vergleich nicht wirklich gut ausschaut für Armin Wolf.

  4. Jaja

    Ich bin zwar auf Zwitscher blockiert, warum auch immer 🤷‍♀️,
    aber ich finde den Artikel sehr gelungen.
    Ich wünschte, dass sich auch die Zuständigen mit dem inhaltlichem Thema des ORFs intensiv auseinandersetzen.
    Gerade was die Objektivität und Vielseitigkeit betrifft.
    Ansonsten bin ich dafür, dass sich der ORF zu 100% selbst finanzieren muss.

    1. Christof

      Danke für das Lob.
      Ja, ich denke auch, der ORF sollte sich selbst finanzieren müssen (pay per View Modell oder so!)

      PS: wie lautet Ihr twitter-name? Evtl ein irrtümlicher „Block“ , den ich gerne öffne.

      MfG,
      C.S.

  5. Bernhard Katzlberger

    sehr gut und real geschrieben, alle achtung

    1. Christof

      Danke, lieber Bernhard! 😊

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