You are currently viewing Wenn Grüne auf’s Land kommen. (Teil 5)
Bild: Birgit Medlitsch

Wenn Grüne auf’s Land kommen. (Teil 5)

Kröten im finsteren Tunnel. Oder: die Todesfalle. Ein Märchen.
Ein Kommentar von Birgit Medlitsch.

An der Grenze zwischen Österreich und der damaligen Tschechoslowakei gab es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs nicht viele Grenzübergänge. So fand man zum Beispiel auf einer Länge von rund 110 Kilometern zwischen Drasenhofen (Mikulov) und Berg (Bratislava) keinen weiteren Grenzübergang. Dem wollte man Abhilfe verschaffen und mittels einer Brücke über die March in Hohenau einen weiteren Grenzübergang einrichten.

Nur – so einfach war das nicht.

Denn das Gebiet rundherum ist und war Landschaftsschutzgebiet. Es handelt sich um die March-Thaya-Auen, einem Feuchtgebiet mit schützenswerter Flora und Fauna.

Und dort ist es nicht so einfach, eine Brücke zu bauen, vor allem deshalb, weil man ja mit einem entsprechend höheren Verkehrsaufkommen rechnen muss.

Gefährdung von Amphibien.

So war für die Genehmigung der Brücke unter anderem Bedingung, dass für Amphibien, speziell für die (Wechsel-)Kröten, eine unterirdische Querung der Strasse möglich sein muss.

Nun dauert es natürlich eine Weile, bis so eine unterirdische Verrohrung zum Zweck des Durchlasses bautechnisch umgesetzt werden kann. Es mußte der Asphalt aufgeschnitten, Kinetten gegraben, eine Verrohrung hineingelegt und das alles natürlich wieder zugemacht werden. So hat man sich derweil eines Provisoriums bedient.

Der Kübel.

Am Strassenrand wurde eine unüberwindbare Barriere in Form einer Aluwand platziert, die die Kröten lenken sollte. Gleich neben dieser Aluwand wurden dann im Abstand von jeweils rund 150 Meter grössere Kübel tiefer in die Erde versenkt. Die Kübel hatten seitlich Öffnungen. Durch diese fielen die Kröten hinein. Durch die Höhe des Kübels konnten sie aber nicht mehr hinaus. Auf die Kübel wurde ein Deckel gelegt, damit die Kröten in Sicherheit sind.

Jeden Tag ist eine Person dafür abgestellt worden, die Kröten von einer Seite auf die andere Seite der Strasse zu tragen. Also von links nach rechts, von rechts nach links, mindestens 2x täglich. Denn sonst sitzen die Kröten ja den ganzen Tag im Kübel fest.

Der Storch.

In den March-Thaya-Auen fühlen sich natürlich auch die Störche sehr wohl. Wir kennen es von der Getreide-Ernte. Kaum beginnen wir, sind bis zu 20 Störche am Feld und nutzen diesen Moment zur vereinfachten, stressfreien Nahrungssuche.

Und so sind auch irgendwann die Störche draufgekommen, dass es leicht ist, die Deckel von den Kübeln runterzuwerfen. Mit Stolz und Freude haben sie ihren Aufwand zur Nahrungssuche drastisch reduzieren können und die Kröten aus den Kübeln rausgefressen. Es ist soweit gegangen, dass stellenweise gar keine Kröten mehr vorhanden waren, die man von einer Seite zur anderen tragen konnte.

Der Tunnel und das Licht.

Nun ist natürlich vor so einem Tunnelbau auch eine Bauverhandlung vorgeschrieben. In dieser Verhandlung für diese unterirdischen Querungen der Strasse wurde sehr vieles diskutiert. Unter anderem wurde gefordert diese „Tunnel“ mit elektrischem Licht auszustatten.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Die Tunnel sollten beleuchtet werden.

Begründet wurde dies damit, dass es den Kröten nicht zuzumuten wäre, dass sie vom hellsten Tageslicht in einen finsteren Tunnel hinein müssen, um die Strasse queren zu können.

Erst mit der Ankündigung, sich über diesen Sachverständigen lustig machen zu wollen, hat man von dieser Forderung abgelassen.

Schreibe einen Kommentar